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Vergessene Zivilisationen

So arbeitet Archäologie

LiDAR und Satellitenbilder in der Archäologie

LiDAR fand über 60.000 Maya-Bauten unter dichtem Dschungel. Messprinzip, Beispiele und warum Bodenprüfung unverzichtbar bleibt.

3 Min. Lesezeit

Redaktion und Verantwortung: Bartosz Tyce

LiDAR-Geländemodell von Stonehenge und der angrenzenden Avenue
LiDAR-Darstellung von Stonehenge und der Avenue. Die Methode macht feine Geländeformen sichtbar, ersetzt aber keine Prüfung vor Ort.Bild: Dr John Wells / Wikimedia Commons · CC BY 4.0 · Webzuschnitt

Kurz erklärt

LiDAR (Light Detection and Ranging) ist eine von Flugzeugen oder Drohnen aus eingesetzte Laser-Vermessungstechnik, die es erlaubt, selbst unter dichtem Vegetationsdach verborgene Bodenstrukturen sichtbar zu machen. Im Gegensatz zu klassischen Satellitenbildern, die dichte Waldvegetation kaum durchdringen können, erfassen LiDAR-Systeme Millionen einzelner Laserreflexionspunkte, aus denen sich rechnerisch ein Geländemodell ohne Baumbewuchs rekonstruieren lässt. In der Maya-Archäologie hat diese Technik seit ihrem ersten großflächigen Einsatz um 2009 zu einer regelrechten Neubewertung der Siedlungsdichte und Infrastruktur ganzer Regionen geführt — mit dem ausdrücklichen Vorbehalt, dass jeder LiDAR-Befund durch Feldarbeit am Boden überprüft werden muss.

Messprinzip

Ein LiDAR-System sendet aus der Luft Millionen von Laserimpulsen zum Boden und misst die Zeit, die das reflektierte Licht für den Rückweg benötigt. Da ein Teil der Laserimpulse durch Lücken im Blätterdach bis zum tatsächlichen Boden vordringt, lässt sich aus der Gesamtheit der Messpunkte gezielt ein Modell der Geländeoberfläche unterhalb der Vegetation herausrechnen — sichtbar werden dadurch etwa Hausplattformen, Straßen, Bewässerungskanäle oder Verteidigungsanlagen, die vom Boden oder aus konventionellen Luft- und Satellitenbildern aus unter dichtem Blätterdach unsichtbar blieben.

Beispiele aus der Praxis

Der erste großflächige archäologische LiDAR-Einsatz in der Maya-Region erfolgte 2009 in Caracol, Belize, und deckte auf rund 200 Quadratkilometern ein zusammenhängendes urbanes Zentrum auf, dessen tatsächliche Ausdehnung zuvor nur ansatzweise bekannt war. Die 2018 gestartete PACUNAM-LiDAR-Initiative scannte anschließend über 2.100 Quadratkilometer des guatemaltekischen Petén-Dschungels und identifizierte dabei mehr als 61.000 zuvor unbekannte Strukturen — darunter Pyramiden, erhöhte Dammwege (Sacbeob) und Bewässerungssysteme —, was die Bevölkerungsschätzungen für das Maya-Tiefland erheblich nach oben korrigierte. Auch außerhalb der Maya-Region hat LiDAR-Fernerkundung das archäologische Bild verändert: In Angkor, Kambodscha, kartierten LiDAR-Befliegungen über rund 3.000 Quadratkilometer ein weitläufiges mittelalterliches Stadtnetz mit Kanälen, Straßen und Wohnvierteln, und im Amazonasbecken deckten vergleichbare Untersuchungen ausgedehnte vorkolumbische Siedlungen mit geometrischen Erdwerken auf — ein deutlicher Widerspruch zur älteren Vorstellung eines weitgehend „unberührten” Regenwaldes.

Notwendigkeit der Bodenprüfung

Ein LiDAR-Befund allein ist noch kein archäologischer Nachweis: Erhebungen im Gelände können ebenso von natürlichen geologischen Formationen, modernen Störungen oder schlicht ungewöhnlichem Bewuchs herrühren. Fachleute betonen deshalb übereinstimmend die Notwendigkeit der sogenannten Bodenprüfung (Ground-Truthing) — der gezielten Überprüfung ausgewählter LiDAR-Signale vor Ort, um sowohl falsch-positive Befunde (fälschlich als archäologisch interpretierte natürliche oder moderne Strukturen) als auch falsch-negative Befunde (vom Laser übersehene tatsächliche archäologische Merkmale) systematisch zu quantifizieren. Aus solchen Fehlerraten lassen sich Korrekturfaktoren ableiten, mit denen sich Ergebnisse aus kleineren, bodengeprüften Stichprobenflächen auf die deutlich größeren, nur aus der Luft erfassten Gesamtflächen hochrechnen lassen.

Grenzen

Wie zuverlässig LiDAR archäologische Strukturen erkennt, hängt erheblich von der Art der Vegetation ab — dichtes Unterholz oder bestimmte Baumarten können die Durchdringung bis zum Boden erschweren, sodass die Effektivität der Methode systematisch je nach Vegetationstyp variiert und gezielt evaluiert werden muss. Zudem erfassen selbst großflächige LiDAR-Kampagnen zunächst nur die geometrische Form von Bodenstrukturen, nicht deren Alter, Funktion oder kulturelle Zuordnung — diese Fragen lassen sich weiterhin nur durch Ausgrabung, Datierung und Fundanalyse vor Ort beantworten.

Ein konkretes Anwendungsbeispiel

In der Region Ceibal im guatemaltekischen Maya-Tiefland kombinierte ein Forschungsteam eine anhand intensiver Ausgrabungen am Ortszentrum entwickelte Bauchronologie mit LiDAR-Daten über 470 Quadratkilometer, um gesellschaftlichen Wandel über die Zeit hinweg großflächig nachzuvollziehen. Durch systematisches Ground-Truthing berechnete das Team konkrete Fehlerraten für Fehlidentifikationen und übersehene Strukturen, mit denen sich die Bau- und Bevölkerungsschätzungen der gesamten Untersuchungsfläche verlässlicher einordnen ließen als anhand der LiDAR-Rohdaten allein.


Quellen und Weiterlesen

  1. JOUAV, „LiDAR in Archaeology: How is LiDAR Used in Archaeology?“ — Grundlage für die Beschreibung der PACUNAM-LiDAR-Initiative, ihrer Ergebnisse sowie Beispiele aus Angkor und dem Amazonasbecken.
  2. PNAS, „Geospatial revolution and remote sensing LiDAR in Mesoamerican archaeology” — zentrale, peer-reviewte Quelle für den ersten LiDAR-Einsatz in Caracol 2009 und die Bedeutung des Ground-Truthing.
  3. Taylor & Francis Online, „Beyond the magic wand: methodological developments and results from integrated Lidar survey at the ancient Maya Center El Pilar” — Grundlage für die methodische Bedeutung und gängige Praxis der Bodenprüfung.
  4. PMC, „Archaeological application of airborne LiDAR to examine social changes in the Ceibal region of the Maya lowlands” — zentrale Quelle für das konkrete Anwendungsbeispiel mit Fehlerratenberechnung und die Abhängigkeit der LiDAR-Effektivität von Vegetationstypen.
  5. Tulane News, „Archaeologists use lidar technology to map wealth and status in ancient Maya society” — Grundlage für aktuelle Forschung zu 110.000 identifizierten Bauten und differenzierten sozialen Strukturanalysen.